ADHS bei Erwachsenen: Welche Behandlung hilft wirklich?

ADHS bei Erwachsenen: junge Frau mit wirren Gedankenlinien um den Kopf als Sinnbild für Unruhe und Konzentrationsprobleme.

Bei Erwachsenen ist die ADHS-Behandlung oft schwierig: Die Beschwerden sind variabel, es gibt häufig Begleitprobleme wie zum Beispiel Angst, Depression oder Schlafstörungen und viele Empfehlungen widersprechen sich. Hier hilft eine aktuelle Studie, das „BMJ-Umbrella-Review“. Sie wurde in 2025 veröffentlicht und ist eine umfangreiche Übersichtsarbeit. Das Besondere an dieser BMJ-Arbeit: Sie bündelt wie ein umfangreicher „Stresstest“ die Ergebnisse aus sehr vielen anderen Studien (Daten bis 19. Januar 2025) und bewertet alle Behandlungen nach denselben Regeln. So sieht man auf einen Blick, was kurzfristig am besten belegt ist, wie sicher diese Aussagen sind und wo bei Langzeitwirkungen noch große Forschungslücken bestehen.

Wenn Sie gerade überlegen, ob Medikamente, Psychotherapie oder beides sinnvoll ist: Dieser Beitrag fasst die beste Kurzzeit-Evidenz (meist bis 12 Wochen) zusammen – und erklärt, warum Langzeitdaten über 6–12 Monate bisher überraschend unsicher sind.

Auch für Angehörige hilfreich: Unten finden Sie konkrete Fragen für die Sprechstunde.

Schnelles Wissen

Das Wichtigste für Sie auf einen Blick:

Kurzfristig (meist bis 12 Wochen) helfen bei Erwachsenen im Durchschnitt vor allem Methylphenidat und Atomoxetin gegen ADHS-Kernsymptome.

Eine ADHS-spezifische kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann ebenfalls spürbar helfen, vor allem bei Organisation, Zeitmanagement und Prokrastination („Aufschieberitis“ trotz Druck).

Für 6 bis 12 Monate gibt es in Studien keine ausreichend sicheren Belege, dass irgendeine Behandlung dauerhaft wirkt. Das ist eine Datenlücke, aber kein Beweis, dass Langzeitbehandlung nichts bringt.

Die Erfassung von Nebenwirkungen und die Überwachung der Therapie sind wichtig, besonders bei Medikamenten (etwa Schlaf, Appetit/Gewicht, Blutdruck).

Am meisten profitieren viele ADHS-Betroffene, wenn Bausteine kombiniert werden: fundierte Diagnostik, passende Medikation, KVT-Strategien und alltagstaugliche Struktur.

Warum ist diese BMJ-Übersicht zur ADHS-Behandlung bei Erwachsenen wichtig?

Zu ADHS gibt es viele Meinungen, Behandlungsstrategien und Tipps. Für Betroffene zählt aber: Was ist gut belegt und was eher unsicher? Die BMJ-Übersicht ist wichtig, weil sie sehr viele Studien-Zusammenfassungen nach einheitlichen Regeln neu berechnet und die Zuverlässigkeit der Ergebnisse bewertet.

  • ADHS zeigt sich bei Erwachsenen oft anders als bei Kindern: weniger sichtbare Hyperaktivität, dafür häufiger Unaufmerksamkeit, innere Unruhe, Impulsivität und Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation.
  • Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Angst, Depression, Sucht oder Schlafprobleme sind häufig. Das beeinflusst Diagnose und Therapie.
  • Praktisch für die Einordnung: Die Autorinnen und Autoren der BMJ-Studie zeigen nicht nur, ob etwas im Durchschnitt hilft, sondern auch, wie sicher und zuverlässig das Ergebnis ist (hoch, moderat, niedrig) und ob es eher im Selbstbericht der Patienten oder in klinischen Bewertungen sichtbar wird.

Wie wurde das BMJ-Umbrella-Review zu ADHS bei Erwachsenen erstellt?

Ein Umbrella-Review ist eine Übersicht über viele systematische Reviews. Berücksichtigt wurden nur Übersichten, die viele gute Vergleichsstudien zusammenfassen. In diesen Studien werden Teilnehmende per Zufall einer Behandlung oder einer Vergleichsgruppe zugeteilt.

  • Wichtigstes Ziel: Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten und nicht-medikamentösen Verfahren bewerten, getrennt nach Altersgruppen und nach Zeiträumen (kurz, mittel, lang).
  • Weitere Ziele: Abbruch aus irgendeinem Grund (Akzeptabilität), Abbruch wegen Nebenwirkungen (Verträglichkeit) und ausgewählte Nebenwirkungen (zum Beispiel Schlafprobleme, Appetitminderung).
  • Standardbehandlung bisher: Leitlinien empfehlen meist eine Kombination aus Aufklärung (Psychoedukation), Medikamenten und verhaltensorientierten/psychotherapeutischen Maßnahmen, je nach Beschwerden und Lebenssituation.

Welche Medikamente helfen bei ADHS im Erwachsenenalter am besten?

Die wichtigsten Ergebnisse beziehen sich auf die Kurzzeit (meist bis 12 Wochen). In diesem Zeitraum waren die Signale für Erwachsene am klarsten.

  • Methylphenidat: mittlerer Effekt auf ADHS-Symptome (Selbstbericht hoch sicher; Klinikerbewertung moderat sicher).
  • Atomoxetin: mittlerer Effekt auf ADHS-Symptome (Selbstbericht hoch sicher).
  • Amphetamine: In Analysen, die nur methodisch besonders saubere Studien berücksichtigen, zeigte sich ebenfalls ein mittlerer Effekt. In der Hauptanalyse war die Evidenz bei Erwachsenen insgesamt weniger stabil.
  • Wichtig: „Mittlerer Effekt“ heißt nicht „funktioniert bei allen“. Es bedeutet: Im Durchschnitt geht es den Teilnehmenden mit Wirkstoff besser als mit Placebo.
ADHS-Therapie bei Erwachsenen: Infografik zu Methylphenidat, Atomoxetin, KVT und Langzeitdaten.

CC BY-ND 4.0 Lizenz: CC BY-ND 4.0 – Nutzung nur unverändert mit Link zu Medi-Helpster.de. Nutzungsbedingungen.

Welche Psychotherapie hilft bei Erwachsenen mit ADHS?

Neben Medikamenten zeigte vor allem eine ADHS-spezifische KVT in klinischen Bewertungen einen mittleren Nutzen in der Kurzzeit.

  • ADHS-spezifische KVT: mittlerer Effekt (moderate Evidenzsicherheit) in klinischen Ratings.
  • Typische Inhalte: Zeitmanagement, Organisation, Umgang mit Prokrastination, Planen in kleinen Schritten, Strategien für Impulsivität und Emotionsregulation.
  • KVT kann besonders helfen, wenn Sie trotz Medikamenten im Alltag weiter stark stolpern oder wenn diese nicht gut vertragen werden.
  • Für andere psychosoziale Ansätze gibt es teils Hinweise, aber die Studienlage ist häufig weniger sicher.

Was ist mit Achtsamkeit, Sport oder anderen nicht-medikamentösen Ansätzen bei ADHS?

Einige Verfahren zeigten in einzelnen Auswertungen verlässliche Effekte auf bestimmte Endpunkte. Die Sicherheit der Evidenz war dabei aber meist niedrig oder sehr gering.

  • Achtsamkeit (Mindfulness): teils signifikante Effekte, aber in der Regel mit niedriger oder sehr niedriger Evidenzsicherheit.
  • Körperliches Training: in einzelnen Outcomes große Effekte, aber oft geringe Evidenzsicherheit. Wenn Sie einen niedrigschwelligen Einstieg suchen, finden Sie hier zwei alltagstaugliche Beispiele:
  • Das bedeutet: Es kann helfen, aber die Studien sind häufig zu klein oder zu unterschiedlich, um sicher zu sein.

Wie lange hält die Wirkung medikamentöser und nicht-medikamentöser Maßnahmen an und gibt es gute Langzeitdaten?

Hier ist die Kernaussage eher ernüchternd: Für 6 bis 12 Monate gibt es in Studien keine eindeutigen Belege für nachhaltige Effekte irgendeiner Intervention.

  • In den Analysen zu 26 oder 52 Wochen fand die BMJ-Umbrella-Analyse keine moderate oder sichere Evidenz, unabhängig davon, ob es um Medikamente oder nicht-medikamentöse Verfahren ging.
  • Achtsamkeit zeigte bei Erwachsenen ein Signal für längere Zeiträume, aber die Evidenzsicherheit war sehr niedrig.
  • Das heißt nicht, dass Langzeitbehandlung sinnlos ist. Es heißt: „Wir können den Langzeiteffekt aus Studien derzeit nicht verlässlich quantifizieren.“

Welche Nebenwirkungen von Medikamenten sind wichtig und worauf sollte man achten?

Die Wirksamkeit von Medikamenten allein reicht nicht aus, eine Behandlung muss auch gut verträglich sein. Denn es nutzt wenig, wenn die Wirkung gegen ADHS-Symptome gut ist, die Medikamente aber wegen deutlicher Nebenwirkungen nicht vertragen werden und die Behandlung daher abgebrochen wird. Deshalb sind bei Medikamenten regelmäßige Kontrollen auf Wirksamkeit und Verträglichkeit besonders wichtig.

  • In der BMJ-Review war die Verträglichkeit im Vergleich zu Placebo für Methylphenidat und Atomoxetin ungünstiger (mehr Abbrüche wegen Nebenwirkungen).
  • Stimulanzien und Atomoxetin gegen ADHS bei Erwachsenen können Schlaf (Ein- und Durchschlafen), Appetit/Gewicht sowie Blutdruck und Herzfrequenz beeinflussen. Deshalb sollten diese Punkte fester Bestandteil der Kontrollen unter medikamentöser Behandlung sein.
  • Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab. Wenn Nebenwirkungen auftreten, kann oft die Dosis, der Einnahmezeitpunkt oder das Präparat angepasst werden.
Infografik zur ADHS-Medikation: Checkliste für Kontrollen (Schlaf, Appetit/Gewicht, Blutdruck, Puls/Herzfrequenz) plus Sicherheitshinweis.

CC BY-ND 4.0 Lizenz: CC BY-ND 4.0 – Nutzung nur unverändert mit Link zu Medi-Helpster.de. Nutzungsbedingungen.

Wie sicher sind diese Ergebnisse und welche Grenzen hat die Studienlage?

Die BMJ-Studie ist äußerst umfangreich und wurde nach strengen Richtlinien erstellt. Trotzdem bildet Forschung immer nur einen Ausschnitt ab: Studien laufen unter festen Bedingungen, während im Alltag zusätzliche Faktoren eine Rolle spielen, zum Beispiel Lebenssituation, Begleiterkrankungen und wie gut sich eine Maßnahme dauerhaft umsetzen lässt.

  • Viele Studien sind kurz (häufig um 12 Wochen). Das ADHS ist jedoch eine chronische Erkrankung, die zwar gut behandelbar ist, aber nicht selten eine lebenslange medikamentöse Behandlung erfordert.
  • Bei vielen nicht-medikamentösen Ansätzen sind die Studien klein oder sehr unterschiedlich. Das macht Ergebnisse unsicher.
  • Die BMJ-Studie kann keine endgültige Rangliste „beste Therapie für alle“ liefern. ADHS ist individuell und direkte Vergleiche zwischen allen Optionen fehlen oft.
  • Es braucht mehr unabhängige, pragmatische Langzeitstudien, damit Nutzen und Risiken über längere Zeit besser einschätzbar sind.

Expertenstimmen zu dem Thema

Prof. Dr. med. Alexandra Philipsen (Universitätsklinikum Bonn, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie): Sie betont, dass eine sorgfältige Diagnostik und ein multimodales Vorgehen (Medikation plus Psychotherapie/Alltagsstrategien) die beste Grundlage für eine passende Behandlung sind. (Fortbildungsartikel: Philipsen, Atzor 2025)
Prof. Samuele Cortese, MD, PhD (University of Southampton, Professor of Child and Adolescent Psychiatry): Als Mitautor der BMJ-Umbrella-Review steht er für den Ansatz, Behandlungseffekte und Nebenwirkungen systematisch und nach einheitlichen Kriterien zusammenzufassen. (BMJ-Umbrella-Review: Gosling et al. 2025)
Prof. Dr. med. Christoph U. Correll (Charité – Universitätsmedizin Berlin, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters): Seine Perspektive erinnert daran, Nutzen und Risiken immer gemeinsam zu betrachten und die Behandlung eng am Alltag sowie an Begleiterkrankungen auszurichten. (BMJ-Umbrella-Review: Gosling et al. 2025)

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Kurz und bündig

ADHS ist in der Regel nicht heilbar, aber oft gut behandelbar. Wichtig ist dabei: Es gibt nicht „die“ eine Therapie für alle, sondern eine individuelle Behandlung, die zu Ihren Beschwerden, Ihrer Lebenssituation und möglichen Begleiterkrankungen passen muss. Das bedeutet für Sie: Es gibt bei Erwachsenen einige Bausteine, die kurzfristig im Durchschnitt gut helfen können. Entscheidend ist dann, gemeinsam mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt die für Sie passende Kombination zu finden und die Behandlung langfristig so zu steuern, dass Wirkung und Verträglichkeit zusammenpassen. Wenn Langzeitdaten fehlen, wird der Praxisbezug umso wichtiger: klare Ziele, regelmäßige Kontrollen und rechtzeitige Anpassungen, statt „durchhalten um jeden Preis“.

Was können Sie konkret tun?

Wenn Sie ADHS bei sich vermuten oder es bereits diagnostiziert ist, hilft ein Schritt-für-Schritt-Vorgehen: Diagnose klären, Ziele festlegen, dann passende Bausteine kombinieren.

  • Diagnose sauber stellen lassen: Eine strukturierte Anamnese (auch Entwicklungsgeschichte) plus standardisierte Fragebögen kann helfen. Wenn möglich, ist eine Fremdanamnese durch Angehörige sinnvoll.
  • Medikamente sind oft wirksam, brauchen aber Kontrolle: Regelmäßige Checks zu Schlaf, Blutdruck und Appetit sind wichtig. Leitlinien empfehlen, die Indikation regelmäßig zu überprüfen, oft auch mit einem geplanten Absetzversuch unter ärztlicher Begleitung.
  • Kognitive Verhaltenstherapie als zweite Säule: Sie trainiert Fertigkeiten für Alltag und Beruf, nicht „Willenskraft“. Viele ADHS-Betroffene profitieren besonders bei Desorganisation, Prokrastination und emotionaler Überforderung.
  • Strukturhilfen, die wenig Risiko haben: Kalender, feste Routinen, Aufgaben in kleine Schritte teilen, Prioritätenliste, kurze Arbeitsintervalle mit Pausen.
  • Schlaf als Hebel: Schlafmangel verstärkt ADHS-Symptome oft deutlich. Bei starkem Schnarchen oder Atempausen (Schlafapnoe) ist eine Abklärung sinnvoll.

Wenn Sie sich näher über Schlafstörungen und Maßnahmen zur Abhilfe belesen möchten:

Schlafapnoe – Was hilft gegen nächtliche Atempausen?

Schlafstörungen als Risiko für chronische Krankheiten

  • Wenn Sie sich vor allem dauerhaft erschöpft und ‘ausgebrannt’ fühlen: Lesen Sie ergänzend unseren Überblick zu Burnout/Stress – das hilft, die nächsten Schritte zu sortieren.

Welche Fragen sollten Sie bei ADHS in der Sprechstunde stellen?

Ein gutes Gespräch mit Ihrem Arzt kann Ihnen viel Zeit, Frust und unnötige Umwege ersparen. Bei ADHS ist es hilfreich, vorab zu überlegen, was Sie im Alltag am meisten belastet und was Sie sich von der Behandlung konkret wünschen. Schreiben Sie Ihre wichtigsten Punkte kurz auf und nehmen Sie den Zettel mit zum Arzttermin, damit nichts untergeht.

  • Welche Beschwerden stehen bei mir im Vordergrund: Unaufmerksamkeit, innere Unruhe, Impulsivität, Prokrastination oder Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation?
  • Welche Begleiterkrankungen sind wahrscheinlich und wie verändert das die Therapiewahl?
  • Welche Ziele wollen wir in 8 bis 12 Wochen erreichen (konkret und messbar)?
  • Welche Optionen passen zu mir: Stimulanzien, Atomoxetin, KVT, Gruppentherapie, Coaching, Selbsthilfe?
  • Wie sieht das Monitoring aus (Blutdruck, Schlaf, Appetit, Nebenwirkungen) und wann prüfen wir den nächsten Schritt?

FAQ

Wie wird ADHS bei Erwachsenen diagnostiziert?

Meist über ein strukturiertes Gespräch nach ICD-11- oder DSM-5-Kriterien plus Fragebögen und, wenn möglich, eine Fremdanamnese (Angehörige).

Warum wird ADHS bei Frauen oft spät erkannt?

Symptome fallen häufig weniger als „klassische“ Hyperaktivität auf und werden eher als Stress, Angst oder Depression fehlgedeutet.

Welche Medikamente helfen bei ADHS im Erwachsenenalter?

In der BMJ-Review waren Methylphenidat und Atomoxetin in der Kurzzeit am besten belegt.

Hilft Psychotherapie auch ohne Medikamente?

ADHS-spezifische KVT zeigte in klinischen Bewertungen einen mittleren Nutzen. Ob sie allein reicht, hängt von Belastung, Zielen und Begleiterkrankungen ab.

Gibt es gute Langzeitdaten über 6 bis 12 Monate?

Die BMJ-Review fand keine moderat oder hoch sicheren Belege für nachhaltige Effekte irgendeiner Intervention.

Welche Nebenwirkungen sind bei der medikamentösen Behandlung besonders wichtig?

Häufig geht es um Schlaf, Appetit/Gewicht und Blutdruck. Bei Problemen sollte die Ärztin oder der Arzt Dosis und Präparat prüfen.

Was kann ich selbst sofort ausprobieren?

Niedrigschwellige Strukturhilfen (Kalender, Prioritätenliste, Aufgaben zerlegen) und eine feste Schlafroutine sind meist sinnvoll, ersetzen jedoch keine ärztliche Beratung und ggf. Behandlung.

Woran merke ich nach 8–12 Wochen, ob die Behandlung bei ADHS hilft?

Legen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt 1–3 Alltagsziele fest (z. B. Aufgaben beginnen, Termine einhalten) und prüfen Sie diese regelmäßig – z. B. mit einem kurzen Wochenprotokoll oder Fragebogen.

Welche Ziele sind sinnvoll – und wie mache ich sie messbar?

Formulieren Sie Ziele konkret („4 von 5 Tagen pünktlich“, „Aufgaben innerhalb von 10 Minuten beginnen“) statt allgemein („bin besser drauf“). Notieren Sie Startwert und Ziel und besprechen Sie nach einigen Wochen, ob eine Anpassung nötig ist.

Was wirkt bei ADHS im Erwachsenenalter am schnellsten?

In Studien sind die Effekte vor allem in der Kurzzeit (meist bis 12 Wochen) am besten belegt; u. a. für Methylphenidat und Atomoxetin.

Warum fehlen so oft gute Langzeitdaten?

Viele Studien sind kurz; deshalb lassen sich Effekte über 26–52 Wochen derzeit nicht verlässlich quantifizieren.

Welche Kontrollen sind unter den ADHS-Medikamenten besonders wichtig?

Schlaf, Appetit/Gewicht, Blutdruck/Herzfrequenz; Anpassungen besser mit Ärztin/Arzt statt eigenmächtig abzusetzen.

Was ist …? – Begriffe kurz erklärt

Umbrella-Review: eine systematische Übersicht, die viele Studien-Zusammenfassungen zusammenführt und nach einheitlichen Regeln neu auswertet.
Evidenzsicherheit: Wie verlässlich ein Ergebnis ist. „Hoch“ bedeutet: Das Ergebnis ist sehr wahrscheinlich richtig. „Niedrig“ bedeutet: Das Ergebnis ist nicht gut, kann sich aber bei besseren Studien deutlich ändern.
Prokrastination: Aufgaben werden immer wieder aufgeschoben, obwohl man weiß, dass es dadurch später stressiger wird oder Nachteile entstehen.

Quellen

Gosling CJ, Garcia-Argibay M, De Prisco M, Arrondo G, Ayrolles A, Antoun S, Caparos S, Catalán A, Ellul P, Dobrosavljevic M, Farhat LC, Fico G, Eudave L, Groenman AP, Højlund M, Jurek L, Nourredine M, Oliva V, Parlatini V, Psyllou C, Salazar-de-Pablo G, Tomlinson A, Westwood SJ, Cipriani A, Correll CU, Yon DK, Larsson H, Ostinelli EG, Shin JI, Fusar-Poli P, Ioannidis JPA, Radua J, Solmi M, Delorme R, Cortese S. Benefits and harms of ADHD interventions: umbrella review and platform for shared decision making. BMJ. 2025 Nov 26;391:e085875. doi: 10.1136/bmj-2025-085875. PMID: 41297970; PMCID: PMC12651917.

Philipsen A, Atzor MC. Behandlung der ADHS bei Erwachsenen: Psychotherapie zwischen Impulsivität und Struktur. DNP – Die Neurologie & Psychiatrie. 2025;26(2):27-31.

ADHS bei Erwachsenen: Welche Behandlung hilft wirklich?
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