Kann man Migräneattacken mit Nahrungsergänzungsmitteln messbar seltener machen? Für Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10 gibt es solide Hinweise aus Studien und systematischen Übersichten, dass sie Häufigkeit, Intensität oder Dauer von Migräneattacken reduzieren können. Entscheidend ist aber: Nicht jede Person profitiert gleich, die Studien nutzten unterschiedliche Dosierungen und ein „bestes Kombi-Präparat“ ist bislang nicht eindeutig belegt. In diesem Beitrag geht es um die Prophylaxe mit diesen drei Mikronährstoffen: Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10.
- Schnelles Wissen
- Welche Nahrungsergänzungsmittel zeigen in Studien Effekte in der Migräneprophylaxe?
- Wie wirken Magnesium, Riboflavin und Q10 bei Migräne genau?
- Magnesium: Welche Dosis und welches Präparat wurden untersucht?
- Riboflavin (Vitamin B2): Für wen ist es geeignet und wie lange dauert es bis zum Effekt?
- Coenzym Q10: Welche Dosierung ist üblich und was können Sie erwarten?
- Magnesium plus Riboflavin plus Coenzym Q10: Bringt die Kombination einen Zusatznutzen?
- Expertenstimmen zum Thema
- Medi-Helpster: Ärztliche Einordnung für Sie
- Was können Sie konkret tun?
- Was Sie beim Arztbesuch ansprechen können
- FAQ
- Was ist …? – Begriffe kurz erklärt
- Quellen
Schnelles Wissen
Das Wichtigste für Sie auf einen Blick:
Welche Nahrungsergänzungsmittel zeigen in Studien Effekte in der Migräneprophylaxe?
Kurz gesagt: Diese Mittel sind keine „Wunderpillen“, aber sie können bei manchen Menschen dazu beitragen, dass Migräne seltener kommt und weniger stark ausfällt. Die Studien zeigen insgesamt Vorteile, allerdings nicht bei jeder Person und nicht in jedem Messwert. Am häufigsten verbessern sich in den Auswertungen die Attackenhäufigkeit und die Schmerzintensität. Die Studienergebnisse sehen so aus:
- Magnesium führte zu weniger Migräneattacken, geringerer Schmerzintensität und weniger monatlichen Migränetagen.
- Coenzym Q10 führte zu niedrigerer Attackenhäufigkeit, geringerer Intensität und kürzerer Dauer.
- Riboflavin senkte die Attackenhäufigkeit.
- Für die Praxis ist wichtig: Prophylaxe bedeutet nicht „sofort weniger Schmerz“, sondern eine langfristige Senkung der „Attackenlast“.
Wie wirken Magnesium, Riboflavin und Q10 bei Migräne genau?
Viele Migräne-Betroffene berichten, dass ihr Gehirn bei Stress, Schlafmangel oder bestimmten Triggern „schneller überlastet“. Eine Erklärung, die in der Forschung diskutiert wird: Bei einem Teil der Menschen läuft die Energieversorgung in den Nervenzellen nicht stabil. Das heißt nicht, dass zu wenig Energie die einzige Ursache für Migräne ist, aber es kann ein Baustein sein.
Die drei Mikronährstoffe Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 sind wichtige Bausteinchen bei der Energieproduktion in den Zellen:
- Riboflavin (Vitamin B2)
- Riboflavin ist nötig, damit bestimmte Enzyme („Flavoenzyme“) in der Energiegewinnung der Zellkraftwerke (Mitochondrien) fleißig arbeiten. Es unterstützt damit die Energiegewinnung.
- Idee dahinter: Wenn bei einem Teil der Migräne-Betroffenen mitochondriale Defizite mitspielen, könnte Riboflavin die Energieeffizienz im Gehirn verbessern.
- Coenzym Q10
- Q10 ist ebenfalls ein Bestandteil der mitochondrialen Energiegewinnung: Es hilft beim Elektronentransport (vereinfacht: beim Weiterreichen von Energie-Zwischenschritten), was für die Energieproduktion wichtig ist.
- Zusätzlich wirkt Q10 als Antioxidans und kann Mitochondrien vor oxidativem Stress schützen (auch das wird als Migräne-relevant diskutiert).
- Magnesium
- Magnesium hilft Ihren Zellen, Energie bereitzustellen und zu nutzen.
- Außerdem ist Magnesium in Migräne-Modellen/Erklärungen auch eine Beruhigungs-Komponente im Nervensystem, was die Übererregbarkeit beeinflussen kann.
Wenn die Idee „Energie stabilisieren“ stimmt, dann ist das eher wie Training: Es braucht Wochen, bis sich ein stabilerer Zustand zeigt, weshalb Prophylaxe-Studien meist über Monate laufen. Das sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie mit Mikronährstoffen zur Migräne-Prophylaxe beginnen – es kann Monate dauern, bis Sie eine Besserung verspüren.
Magnesium: Welche Dosis und welches Präparat wurden untersucht?
Magnesium wird in der Migräneprophylaxe nicht nur wegen seiner Rolle in der Energieproduktion diskutiert, sondern auch im Zusammenhang mit der neuronalen Erregbarkeit. In Studien kamen verschiedene Magnesiumsalze und Dosierungen zum Einsatz.
- In Studien variierte die Magnesiumdosis grob von etwa 121,5 bis 600 mg täglich.
- In einer gut gemachten Vergleichsstudie (weder Teilnehmende noch das Studienteam wussten, wer Magnesium oder Placebo bekam) erhielten Teilnehmende 600 mg Trimagnesiummonocitrat täglich; die Attackenhäufigkeit nahm in der Magnesiumgruppe stärker ab als unter Placebo.
- Ein praxisrelevanter Punkt ist die Verträglichkeit von Magnesium: Magen-Darm-Beschwerden können auftreten, insbesondere bei höheren Dosierungen.
- Unterschiedliche Magnesiumverbindungen können sich in Verträglichkeit und Einnahmegefühl unterscheiden; eine „beste“ Form ist aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig ableitbar.
- Sinnvoll ist, die Einnahme konsequent über mehrere Wochen zu testen und parallel einen Kopfschmerzkalender zu führen.
- Empfohlen werden Magnesium-Citrat, – Glycinat und – Oxid. Letzteres führt allerdings öfter zu Magen-Darm-Beschwerden (Durchfälle).
Riboflavin (Vitamin B2): Für wen ist es geeignet und wie lange dauert es bis zum Effekt?
Riboflavin zur Prophylaxe wurde vor allem mit hohen Dosierungen geprüft, meist deutlich über der normalen Tageszufuhr.
- Die meisten Studien bei Erwachsenen nutzten 400 mg Riboflavin täglich.
- Eine Übersichtsarbeit beschreibt eine Reduktion der Häufigkeit von Migräneattacken bei Erwachsenen bei insgesamt guter Verträglichkeit.
- In einer weiteren Studie über drei Monate führte Riboflavin (400 mg täglich) zu einer deutlichen Reduktion der Attackenhäufigkeit und einer Verringerung der Attackenschwere.
- Unerwünschte Effekte waren in den Studien meist mild (z. B. Magen-Darm-Beschwerden); schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.
- Wenn Sie Riboflavin testen, planen Sie eher Wochen ein, bevor Sie ein Fazit ziehen.
Coenzym Q10: Welche Dosierung ist üblich und was können Sie erwarten?
Bei Coenzym Q10 ist die Studienlage kleiner als bei klassischen Medikamenten, aber es gibt Hinweise auf klinische Verbesserungen.
- In einer Studienübersicht lagen die geprüften Dosierungen typischerweise zwischen 100 und 400 mg täglich.
- In einer Studie erhielten 42 Patient:innen über drei Monate 300 mg Coenzym Q10 täglich; gegenüber Placebo wurden Attackenhäufigkeit, Attackendauer und Intensität reduziert und die Lebensqualität verbessert.
- Coenzym Q10 wurde in den genannten Quellen insgesamt als gut verträglich beschrieben.
- Realistisch ist auch hier ein Prophylaxe-Test über mehrere Wochen mit strukturierter Verlaufskontrolle (Tagebuch).

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Magnesium plus Riboflavin plus Coenzym Q10: Bringt die Kombination einen Zusatznutzen?
Kombinations- oder Komplexpräparate klingen attraktiv, weil sie mehrere potenzielle Mechanismen gleichzeitig adressieren. Die wichtigste Frage ist aber: Gibt es Belege, dass die Kombination besser ist als eine gezielte Einzeltherapie?
- In einer Studie mit 130 Teilnehmenden wurde eine Kombination aus Magnesium (600 mg), Riboflavin (400 mg) und Coenzym Q10 (150 mg) untersucht.
- In dieser Studie zeigte sich eine signifikante Reduktion der Schmerzintensität und der Zahl schwerer Migräneattacken; die Kombination wurde als gut verträglich beschrieben.
- Gleichzeitig zeigen Übersichtsarbeiten, dass Kombinationstherapien nicht durchgängig überlegen sind und Ergebnisse je nach Studie variieren können.
- Praktisch heißt das: Eine Kombination kann ein sinnvoller Versuch sein, aber sie ist derzeit nicht als „beste“ oder zwingend überlegene Option belegt.
- Wenn Sie kombinieren, achten Sie besonders auf Verträglichkeit, eine klare Dokumentation (Kopfschmerzkalender) und einen festen Bewertungszeitpunkt.
Expertenstimmen zum Thema
Die klinische Datenlage wird vor allem durch Studien und systematische Übersichten geprägt. Die Autor:innen betonen übereinstimmend, dass Mikronährstoffe keine „Wundermittel“ sind, aber als gut verträgliche Bausteine in der Prophylaxe durchaus sinnvoll sein können.
Dennis F. Thompson, PharmD (Southwestern Oklahoma State University, Weatherford, OK, USA) fasst die Riboflavin-Daten so zusammen, dass Riboflavin gut verträglich und in mehreren Studien bei Erwachsenen mit weniger Migräneattacken verbunden war.
H. S. Saluja, PhD, MBA (Southwestern Oklahoma State University, Weatherford, OK, USA) weist in derselben Übersichtsarbeit darauf hin, dass die Evidenz je nach Altersgruppe schwankt und zusätzliche Daten zu Fragen der Dosierung und individueller Unterschiede hilfreich wären.
PD Dr. Fabian Wolpert (niedergelassener Neurologe in Darmstadt) beschreibt die Nahrungsergänzungsmittel als Teil eines Gesamtplans zur Migräne-Vorbeugung und nennt Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 als relevante Bausteine mit klinischen Studiendaten.
Medi-Helpster: Ärztliche Einordnung für Sie
Kurz und bündig
Was können Sie konkret tun?
- Definieren Sie beim vorbeugenden Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln Ihr Ziel: zum Beispiel „mindestens 30 bis 50 Prozent weniger Attacken“ oder „deutlich weniger schwere Tage“.
- Starten Sie mit einem Kopfschmerzkalender (Attackenhäufigkeit, Dauer, Intensität, Akutmedikation, Auslöser-Verdacht), bevor Sie mit den Mikronährstoffen beginnen, damit Sie Veränderungen objektiv nachvollziehen können.
- Planen Sie einen klaren Testzeitraum mit den Präparaten (mindestens 8 bis 12 Wochen) und ändern Sie in dieser Zeit möglichst nicht mehrere Dinge gleichzeitig. Nur so haben Sie die Möglichkeit, die Wirksamkeit von Mikronährstoffen einwandfrei zuzuordnen.
- Achten Sie bei Magnesium besonders auf Magen-Darm-Verträglichkeit; bei Beschwerden kann eine Anpassung der Dosis oder des Präparats sinnvoll sein.
- Prüfen Sie Kombinationspräparate kritisch: Sie sind bequem, aber eine Einzelsubstanz ist leichter zu beurteilen, wenn Nebenwirkungen auftreten.
- Was Sie nicht tun sollten: Ihre evtl. bisherige Medikation gegen Migräne eigenständig ändern oder gar absetzen. Unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen!
Vertiefung auf Medi-Helpster:
Wenn Magnesium für Sie ein Thema ist, kann auch diese Einordnung hilfreich sein:
Was Sie beim Arztbesuch ansprechen können
- Empfehlen Sie bei meiner Migräne eine Prophylaxe mit Mikronährstoffen und welche Ziele sind realistisch?
- Welche Prophylaxe-Optionen kommen neben Nahrungsergänzungsmitteln für mich in Frage?
- Welche Rolle spielt bei mir ein Kopfschmerzkalender und wie lange soll ich dokumentieren?
- Wie bewerte ich einen Prophylaxe-Versuch sinnvoll: nach welcher Zeit, mit welchen Kriterien?
- Spricht bei mir etwas gegen Magnesium, Riboflavin oder Coenzym Q10, zum Beispiel aufgrund anderer Erkrankungen oder Medikamente?
- Welche nicht-medikamentösen Maßnahmen (z. B. Entspannung, Ausdauersport, Verhaltenstherapie) sind für mich besonders sinnvoll?
FAQ
In der Regel nicht sofort, sondern nach mehreren Wochen konsequenter Einnahme.
Nein, eine Kombination ist möglich, aber weder zwingend noch eindeutig überlegen.
Häufig wurden etwa 600 mg Magnesium, 400 mg Riboflavin und 100–400 mg Coenzym Q10 pro Tag untersucht.
Citrat, Glycinat und Oxid. Oxid macht häufiger Magen-Darm-Beschwerden (Durchfälle).
Ziel sind messbare Verbesserungen wie weniger Attacken oder weniger schwere Tage, nicht zwingend vollständige Beschwerdefreiheit.
In den Studien wurden Nebenwirkungen meist als mild beschrieben, etwa Magen-Darm-Beschwerden.
Eine ärztliche Abstimmung ist vorab angebracht, besonders wenn Sie bereits Medikamente zur Akuttherapie oder Prophylaxe der Migräne nutzen.
Dann sollten Sie mit Ihrer ärztlichen Betreuung gemeinsam prüfen, ob Dosierung, Einnahmedauer oder alternative Prophylaxebausteine angepasst werden müssen.
Was ist …? – Begriffe kurz erklärt
Migräneprophylaxe: Maßnahmen, die Migräneattacken seltener oder weniger schwer machen sollen.
Riboflavin: Vitamin B2, ein Mikronährstoff, der im Energiestoffwechsel eine Rolle spielt.
Coenzym Q10: Stoff, der an der Energiegewinnung der Zellen beteiligt ist.
Mitochondrien: „Energiekraftwerke“ der Zellen, die Energie in verwertbarer Form bereitstellen.
Kopfschmerzkalender: Dokumentation von Attacken, Belastung und Medikamenteneinnahme zur Verlaufskontrolle.
Quellen
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Khani S, Hejazi SA, Yaghoubi M, Sharifipour E. Comparative study of magnesium, sodium valproate, and concurrent magnesium-sodium valproate therapy in the prevention of migraine headaches: a randomized controlled double-blind trial. J Headache Pain. 2021 Apr 7;22(1):21. doi: 10.1186/s10194-021-01234-6. PMID: 33827421; PMCID: PMC8028183.
Talandashti MK, Shahinfar H, Delgarm P, Jazayeri S. Effects of selected dietary supplements on migraine prophylaxis: A systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials. Neurol Sci. 2025 Feb;46(2):651-670. doi: 10.1007/s10072-024-07794-0. Epub 2024 Oct 15. PMID: 39404918.
Thompson DF, Saluja HS. Prophylaxis of migraine headaches with riboflavin: A systematic review. J Clin Pharm Ther. 2017 Aug;42(4):394-403. doi: 10.1111/jcpt.12548. Epub 2017 May 8. PMID: 28485121.
Wolpert F. Der Migränepatient: Effektive Strategien der nicht pharmakologischen Prophylaxe. Fortbildungsartikel/Handout. CME-Verlag; 2025.

