Trockener Reizhusten kann eine Nebenwirkung von Medikamenten sein, besonders nach Beginn oder Umstellung einer Therapie. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Wirkstoffklassen am häufigsten dahinterstecken und wie Sie den Zusammenhang prüfen. Wichtig: Setzen Sie Dauermedikamente nicht eigenmächtig ab, sondern klären Sie eine mögliche Umstellung ärztlich ab.
- Schnelles Wissen
- Expertenstimmen zu dem Thema
- Medi-Helpster: Ärztliche Einordnung für Sie
- Was können Sie konkret tun?
- FAQ
- Was ist …? – Begriffe kurz erklärt
- Quellen
Schnelles Wissen
Das Wichtigste für Sie auf einen Blick:
Die häufigsten Auslöser für Reizhusten nach Medikamentenklassen
Ein medikamentenbedingter Husten wird im Alltag nicht selten übersehen. ACE-Hemmer sind die häufigsten Auslöser, aber auch andere Wirkstoffklassen kommen infrage. Wichtig ist der zeitliche Zusammenhang zwischen Husten und Erstverordnung des Medikaments. Medikamente sollten nicht auf Verdacht eigenmächtig abgesetzt werden, sondern ärztlich geprüft und ggf. umgestellt werden.
ACE-Hemmer (Bsp. Ramipril, Enalapril, Lisinopril)
- typischerweise chronischer, meist trockener Reizhusten
- In den Leitlinien werden Größenordnungen von etwa 10 % Frauen und 5 % Männer genannt.
- Der Husten kann Tage bis Monate nach Beginn der Einnahme auftreten und klingt nach Absetzen oft innerhalb von 4–21 Tagen ab.
- Bleibt der Husten > 3 Wochen nach Medikamenten-Umstellung bestehen, soll weiter abgeklärt werden.
Sartane/ARB (Bsp. Candesartan, Valsartan, Losartan) und Calciumantagonisten (Bsp. Amlodipin)
- Sartane werden häufig als Alternative nach ACE-Hemmer-Husten eingesetzt, können aber ebenfalls (meist seltener) trockenen chronischen Husten auslösen;
- als mögliche Mechanismen werden u. a. Atemwegsinfektionen (bei Sartanen) genannt.
Betablocker
- können Husten begünstigen, indem sie die bronchiale Reaktionsbereitschaft erhöhen
Statine und Gliptine (Bsp. Linagliptin)
- werden als weitere mögliche Auslöser aufgeführt
- in der Praxis insgesamt seltener als ACE-Hemmer, aber als Differenzialdiagnose relevant – besonders bei neu begonnenen Therapien.
Lungenschädigende Medikamente (Bsp. Amiodaron)
- können Husten über eine (meist dosisabhängige) Beeinträchtigung der Lungenfunktion auslösen
- für Amiodaron werden etwa 1–5 % genannt, typischerweise nach ca. 8 Wochen, bei höheren Dosen auch früher.
Wenn Sie vermuten, dass Ihr Husten durch ein bestimmtes Medikament verursacht wird, sollten Sie einen Blick in den Beipackzettel werfen und das Problem mit Ihrem Arzt besprechen.

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Wann sollten Sie Husten unter Medikamenten rasch abklären lassen?
Manchmal steckt hinter Husten etwas, das zügig abgeklärt werden sollte und zwar unabhängig davon, ob ein Medikament beteiligt ist. Wenn eines der folgenden Zeichen dazukommt, warten Sie nicht ab:
- Atemnot, pfeifende Atmung oder deutlich eingeschränkte Belastbarkeit
- Blut im Auswurf oder Brustschmerz
- hohes Fieber, Schüttelfrost oder deutliches Krankheitsgefühl
- ungewollter Gewichtsverlust oder nächtliches Schwitzen
- bei schweren Grunderkrankungen (z. B. Herz-/Lungenerkrankung, Immunsuppression): lieber früh ärztlich klären
Welche weiteren Ursachen außer Medikamenten führen zu Husten?
Neben Medikamenten können auch andere Faktoren Hustenreiz verursachen. Tabakrauch in jeder Form, sei es durch Zigaretten, Cannabis, Wasserpfeifen, Shishas und alle E-Zigaretten, Vaping, Dabbing und andere Electronic nicotine delivery systems (ENDS) können Husten verursachen, wenn auch etwas seltener als Tabakrauch. An Tabakrauch und Co. als Auslöser für trockenen Reizhusten muss gedacht werden, gerade wenn Familienangehörige als Passivraucher einen unklaren Husten entwickeln.
Wenn Sie sich einen Überblick über die verschiedenen Ursachen von trockenem Reizhusten verschaffen wollen, dann werden Sie hier fündig:
Was kann den Reizhusten durch Medikamente kurz lindern?
Hausmittel können den Reiz kurzfristig lindern, beheben aber nicht die Ursache. Wenn ein Medikament der Auslöser sein könnte: ärztlich prüfen lassen.
- Warme Getränke / Honig (wenn verträglich)
- Befeuchtete Luft / Inhalation ohne riskante Zusätze
- Reizstoffe meiden (Rauch, sehr trockene Luft)

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Expertenstimmen zu dem Thema
Prof. Dr. med. Peter Kardos (Frankfurt am Main) betont, dass der ACE-Hemmer-induzierte Husten einer der häufigsten Ursachen für chronischen Reizhusten ist und bei typischem Verlauf gezielt durch Umstellung auf Sartane vermieden werden kann.
Prof. Dr. med. Heinrich Worth (Fürth) hebt hervor, dass ein strukturierter Algorithmus zur Abklärung wichtig ist, da Medikamentennebenwirkungen oft übersehen werden und unnötige Diagnostik verursachen.
Prof. Dr. med. Claus Vogelmeier (Marburg) weist darauf hin, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzt:innen und Fachärzt:innen für Pneumologie entscheidend ist, um den Husten sicher von anderen chronischen Ursachen abzugrenzen und die Therapie ohne Risiko für die Grunderkrankung anzupassen.
Medi-Helpster: Ärztliche Einordnung für Sie
Kurz und bündig
Was können Sie konkret tun?
- Beobachten Sie, ob Ihr Husten nach Beginn einer neuen Medikation aufgetreten ist.
- Lesen Sie die Packungsbeilage aufmerksam und achten Sie auf „Reizhusten“ als mögliche Nebenwirkung.
- Notieren Sie, wann und wie stark der Husten auftritt, um Ihrem Arzt eine gute Entscheidungsgrundlage zu geben.
- Sprechen Sie Ihren Arzt aktiv auf den Zusammenhang zwischen Medikament und Reizhusten an.
- Fragen Sie nach alternativen Medikamenten, falls der Husten sehr belastend ist.
- Nutzen Sie bewährte Hausmittel wie Honig, Inhalation oder Ingwertee zur Symptomlinderung.
FAQ
Ja, Husten kann auch unter Sartanen wie Candesartan auftreten, insgesamt aber seltener als unter ACE-Hemmern; oft muss man zusätzlich prüfen, ob etwa ein Infekt oder andere Ursachen dahinterstecken.
Notieren Sie Startdatum/Umstellung und die Hustenentwicklung und sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt. Bitte nicht eigenmächtig absetzen.
Wenn ein ACE-Hemmer (z. B. Ramipril) die Ursache ist, kann sich der Husten nach Absetzen/Umstellung innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen bessern; bleibt er länger als 3 Wochen bestehen, sollte weiter abgeklärt werden.
Am häufigsten werden ACE-Hemmer genannt; außerdem kommen (je nach Situation) u. a. Sartane, Amlodipin, Betablocker, Statine und Gliptine infrage.
Ein Hinweis ist, wenn der Husten nach Beginn oder Umstellung eines Medikaments startet (die Zeit bis zum Auftreten kann bei ACE-Hemmern Tage bis Monate betragen) und sich nach ärztlicher Umstellung wieder bessert.
Ein „garantiert ohne“ gibt es nicht, aber bei ACE-Hemmer-Husten wird laut Leitlinie empfohlen, den ACE-Hemmer durch eine andere Substanzklasse zu ersetzen und alle Medikamente auf „Husten“ als mögliche Nebenwirkung zu prüfen.
Bei Alarmzeichen wie Atemnot, blutiger Auswurf, starkem Brustschmerz, hohem Fieber oder deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustandes sollten Sie je nach Situation sofort ärztlich abklären lassen (ggf. Notfall).
Was ist …? – Begriffe kurz erklärt
ACE-Hemmer: Medikamente, die zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Sie hemmen ein Enzym, das die Gefäße verengt. Eine häufige Nebenwirkung ist trockener Reizhusten.
Sartane: Medikamente (Angiotensin-II-Rezeptorblocker), die vor allem bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Sie wirken gezielt am Angiotensin-II-Rezeptor und verursachen deutlich seltener Reizhusten.
Reizhusten: Trockener, unproduktiver Husten ohne Schleimauswurf. Kann als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten und ist häufig chronisch.
Quellen
Akuter und chronischer Husten S3-Leitlinie, AWMF-Register-Nr. 053-013 DEGAM-Leitlinie Nr. 11, 2021
S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten, AWMF-Register-Nr.: 020-003, 2019

