Die HPV-Impfung schützt zuverlässig vor humanen Papillomviren und damit vor mehreren Krebsarten. Sie wirkt am besten, wenn sie früh gegeben wird, idealerweise vor dem ersten Kontakt mit dem Virus. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für alle Kinder zwischen 9 und 14 Jahren. Geschützt wird dabei nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor Krebs im Mund-Rachen-Raum, am Anus und an den äußeren Genitalien. Wer die Impfung rechtzeitig nutzt, legt einen wichtigen Grundstein für die eigene Gesundheit.
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Das Wichtigste für Sie auf einen Blick:
Wogegen schützt die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung schützt vor den humanen Papillomviren, die für die meisten HPV-bedingten Krebserkrankungen verantwortlich sind. Von über 230 bekannten HPV-Typen gelten nur wenige als Hochrisiko-Typen, allen voran HPV 16 und 18. In Deutschland gibt es zwei verfügbare Impfstoffe. Cervarix® schützt vor den Typen 16 und 18, Gardasil® 9 zusätzlich vor den Typen 31, 33, 45, 52 und 58 sowie vor den Niedrigrisiko-Typen 6 und 11, die für rund 90 Prozent der Genitalwarzen verantwortlich sind.
Besonders deutlich zeigt sich die Wirkung beim Gebärmutterhalskrebs. Eine aktuelle Auswertung aus England fand bei Mädchen, die im Alter von 12 bis 13 Jahren geimpft wurden, keine einzige Todesfall durch Gebärmutterhalskrebs mehr in den Jahren 2020 bis 2024, während ohne Impfung rund 23 Todesfälle erwartet worden wären [1]. Auch bei Krebs im Mund-Rachen-Raum zeigt sich ein deutlicher Effekt: Eine HNO-Übersichtsarbeit dokumentiert eine Risikoreduktion oraler HPV-Infektionen von über 90 Prozent bei Geimpften [2].
Für wen ist die HPV-Impfung empfohlen?
Die HPV-Impfung wird für alle Kinder von 9 bis 14 Jahren empfohlen, sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Diese geschlechtsneutrale Empfehlung gilt in Deutschland seit 2018. Jungen profitieren genauso wie Mädchen, denn auch sie können an HPV-bedingtem Krebs erkranken, vor allem im Mund-Rachen-Raum, am Anus und am Penis. In Europa ist etwa jeder fünfte männliche Jugendliche oder Mann ab 15 Jahren mit mindestens einem Hochrisiko-Typ infiziert.
Nachholimpfungen sind bis zum 18. Geburtstag möglich. Wer den Impftermin verpasst hat, kann die Serie jederzeit fortsetzen, denn jede einzelne Dosis zählt. Auch ältere Jugendliche und Erwachsene können im Einzelfall von einer Impfung profitieren, auch wenn die Wirksamkeit mit zunehmendem Alter abnimmt, da viele Menschen bereits mit HPV in Kontakt gekommen sind [3].
Welche Vorteile bietet die frühe HPV-Impfung?
Eine frühe Impfung bietet den besten und langanhaltendsten Schutz. Der Grund liegt in der Übertragung des Virus: HPV wird durch engen Haut- und Schleimhautkontakt übertragen, vor allem beim Geschlechtsverkehr. Wird vor dem ersten möglichen Kontakt geimpft, kann das Immunsystem eine starke Abwehr aufbauen, bevor das Virus überhaupt eine Chance hat.
Die Datenlage dazu ist mittlerweile sehr solide:
Bei Impfung vor dem 17. Geburtstag sinkt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um bis zu 79 Prozent, dieser Schutz hält auch 15 Jahre später noch an. Bei späterer Impfung zeigt sich in den ersten neun Jahren oft kein messbarer Schutz, vermutlich weil bereits ein HPV-Kontakt stattgefunden hat.
Eine schwedische Registerstudie mit über 900.000 Frauen unterstreicht diesen Zusammenhang eindrücklich: Wer vor dem 17. Geburtstag geimpft wurde, hatte ein deutlich geringeres Erkrankungsrisiko als später Geimpfte [4]. Wichtig zu wissen: Auch geimpfte Frauen sollten weiterhin regelmäßig am Gebärmutterhalskrebs-Screening teilnehmen, da kein Impfstoff vor allen krebsauslösenden HPV-Typen schützt.
Wann und wie oft sollte geimpft werden?
Bei Kindern zwischen 9 und 14 Jahren reichen zwei Impfdosen im Abstand von mindestens fünf Monaten für einen vollständigen Schutz. Ab dem Alter von 15 Jahren sind drei Dosen notwendig, da das Immunsystem dann etwas schwächer auf die Impfung reagiert. Eine Auffrischimpfung wird derzeit nicht empfohlen, da Studien über 15 Jahre keine Hinweise auf ein Nachlassen des Schutzes zeigen.
Wie sicher ist die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung gilt als sehr sicher. Weltweit wurden bereits über 500 Millionen Dosen verabreicht, in Deutschland mehr als 10 Millionen seit 2014. Häufige Reaktionen sind Rötung und Schmerzen an der Einstichstelle sowie kurzfristiger Schwindel, der durch die Impfung im Sitzen oder Liegen vermieden werden kann. Eine schwere allergische Reaktion tritt nach aktuellen Daten bei etwa 1,7 von einer Million Impfungen auf. Befürchtungen zu Unfruchtbarkeit, chronischen Schmerzsyndromen oder chronischen Fatiguesyndrom konnten in großen Kohortenstudien nicht bestätigt werden [4].

KI-generierte Illustration, nicht dokumentarisch
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Expertenstimmen zu dem Thema
Prof. Martina Prelog, Universitäts-Kinderklinik Würzburg, ordnet die Bedeutung der Impfung für die Krebsprävention insgesamt ein. Sie verweist darauf, dass etwa 5 Prozent aller Krebserkrankungen auf HPV zurückgehen, bei Frauen vor allem Zervixkarzinome sowie Karzinome der äußeren Genitalorgane, bei Männern vor allem Kopf-Hals-Karzinome. Da Kondome nur zu rund der Hälfte vor einer HPV-Infektion schützen, betont sie die HPV-Impfung als zentrale Präventionsmaßnahme und plädiert dafür, auch ältere, sexuell aktive Menschen zu impfen, denn jede Impfung zähle.
Dr. Sofia Kourou, Uniklinik Köln, beschäftigt sich intensiv mit dem Zusammenhang zwischen HPV-Impfung und Kopf-Hals-Karzinome, die überwiegend Männer betreffen. Sie weist darauf hin, dass die Impfquoten bei Jungen in Deutschland bislang deutlich zu niedrig sind, um die Krankheitslast dieser zunehmend häufigeren Tumorart spürbar zu senken. Aus ihrer Sicht braucht es geschlechtsübergreifende, niedrigschwellige Impfprogramme sowie eine bessere öffentliche Aufklärung, um die Wissenslücken in der Bevölkerung zu schließen.
Prof. Peter Sasieni, Queen Mary University of London, hat mit seinem Team erstmals einen klaren Rückgang der Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs nach Einführung der HPV-Impfung belegt. Er ordnet die Ergebnisse als robusten Beleg dafür ein, dass eine hohe Impfquote mit einer deutlichen Reduktion der Todesfälle einhergeht. Besonders eindrücklich findet er, dass dieser Effekt vor allem bei den im Alter von 12 bis 13 Jahren Geimpften sichtbar wird.
Prof. Peter Hillemanns, Medizinische Hochschule Hannover, betrachtet die HPV-Impfung im Zusammenspiel mit dem Gebärmutterhalskrebs-Screening. Er hebt hervor, dass beide Säulen der Prävention einander ergänzen und nicht ersetzen. Mit zunehmender Impfquote verändere sich langfristig auch die Aussagekraft klassischer Screeningtests, was künftig Anpassungen der Untersuchungsintervalle erfordern könnte.
Medi-Helpster: Ärztliche Einordnung für Sie
Kurz und bündig
Was können Sie konkret tun?
- Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin über den passenden Impftermin zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr.
- Prüfen Sie bei älteren Jugendlichen, ob eine Nachholimpfung bis zum 18. Geburtstag noch möglich ist.
- Kombinieren Sie die HPV-Impfung gegebenenfalls mit anderen anstehenden Auffrischimpfungen in einem Termin.
- Nehmen Sie als geimpfte Frau weiterhin regelmäßig am Gebärmutterhalskrebs-Screening teil.
- Informieren Sie sich gezielt über die Datenlage zu Sicherheit und Wirksamkeit, statt sich auf Gerüchte im Internet zu verlassen.
Was Sie beim Arztbesuch ansprechen können
- Welcher der beiden verfügbaren Impfstoffe ist für mein Kind geeignet?
- Wie viele Impfdosen sind in unserem Fall noch notwendig?
- Kann die HPV-Impfung mit anderen anstehenden Impfungen kombiniert werden?
- Übernimmt unsere Krankenkasse die Kosten, falls mein Kind bereits über 18 ist?
- Welche Nebenwirkungen sind nach der Impfung normal und wann sollte ich zeitnah ärztlichen Rat suchen?
- Welche Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung sind für mich als bereits geimpfte Person sinnvoll?
- Profitiert mein Kind trotz möglicher früherer HPV-Exposition noch von der Impfung?
FAQ
Ja, gerade dann ist sie am wirksamsten, weil der Schutz vor dem ersten möglichen Kontakt mit dem Virus am höchsten ist.
Ja, mehrere große Studien aus Schweden, Dänemark, Schottland und England zeigen einen deutlichen Rückgang HPV-bedingter Krebserkrankungen nach Einführung der Impfung.
Nein, eine große dänische Kohortenstudie mit fast einer Million Frauen fand keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und Unfruchtbarkeit.
Nach aktuellem Kenntnisstand nicht, Studien über 15 Jahre zeigen keinen Hinweis auf nachlassenden Schutz.
Nein, ein gesunder Lebensstil kann viele Krankheiten verhindern, schützt aber nicht zuverlässig vor einer HPV-Infektion.
Nein, Kondome senken das Infektionsrisiko, verhindern eine Übertragung über Hautkontakt jedoch nicht zuverlässig.
Gesetzlich verpflichtend ist die Kostenübernahme nur bis zum 18. Geburtstag, manche Kassen übernehmen die Kosten auch danach freiwillig.
Was ist …? Begriffe kurz erklärt
Humane Papillomviren (HPV): Eine Gruppe von über 230 Virustypen, von denen einige Krebs auslösen können, andere harmlose Warzen verursachen.
Zervixkarzinom: Die medizinische Bezeichnung für Gebärmutterhalskrebs, die häufigste durch HPV verursachte Krebsart bei Frauen.
Oropharynxkarzinom: Eine Krebsart im Mund-Rachen-Raum, die zunehmend häufiger durch HPV-Infektionen verursacht wird, besonders bei Männern.
STIKO: Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, die in Deutschland offizielle Impfempfehlungen ausspricht.
Quellen
[1] Sasieni P, Falcaro M. Cervical cancer mortality trends following HPV vaccination in England, 2001 bis 2024: an analysis of population-based mortality data. The Lancet, online veröffentlicht Juni 2026
[2] Kourou S, Schmit C, Jansen L, Nachtsheim L, Klasen C, Suchan M, van de Loo J, Eckel H, Reisewitz A, Charpentier A, Sharma SJ, Beutner D, Klußmann JP, Mayer M. Stellenwert der HPV-Vakzinierung in der Prävention von Oropharynxkarzinomen und Empfehlungen für Angehörige und Betroffene. HNO 2026; 74:214 bis 224.
[3] Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu HPV-Impfung und HPV-Infektion. Stand: Mai 2026.
[4] Wu S, Deng Y, Lepp T et al. Extended follow-up of invasive cervical cancer risk after quadrivalent HPV vaccination: nationwide, register based study. BMJ 2026; 392:e087326.
[5] Rosenbluth T. Is the HPV Vaccine Safe? Yes, Despite Kennedy’s Criticisms. The New York Times. 30. Januar 2025; Zugriff 21.06.2026
[6] Steinkasserer L, Jentschke M, Hachenberg J, Strassek A-V, Gallwas J, Hillemanns P. Primäres Zervixkarzinom-Screening, Paradigmenwechsel in der Zervixkarzinomprävention. Die Gynäkologie 2026.

