Eine Hitzewelle trifft den Körper härter, je älter er ist und je mehr Vorerkrankungen er mit sich trägt. Schon nach einem einzigen Tag über 30 Grad steigen Krankmeldungen messbar an, nach einer Woche Hitze sogar um über zehn Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem eine gestörte Wärmeabgabe: Herz, Kreislauf, Nieren und Nervensystem müssen bei Hitze deutlich mehr leisten. Die gute Nachricht: Mit ein paar gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko spürbar senken. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, worauf es ankommt und was Sie konkret tun können.
- Schnelles Wissen
- Warum sind ältere Menschen bei einer Hitzewelle besonders gefährdet?
- Wie wirkt sich eine Hitzewelle auf das Gehirn und auf neurologische Erkrankungen aus?
- Welche Rolle spielen Diabetes und die Nieren bei einer Hitzewelle?
- Wie sollten ältere und vorerkrankte Menschen bei einer Hitzewelle trinken?
- Expertenstimmen zu dem Thema
- Medi-Helpster: Ärztliche Einordnung für Sie
- Was können Sie konkret tun?
- Was Sie beim Arztbesuch ansprechen können
- FAQ
- Was ist …? Begriffe kurz erklärt
- Quellen
Schnelles Wissen
Das Wichtigste für Sie auf einen Blick:
Warum sind ältere Menschen bei einer Hitzewelle besonders gefährdet?
Ältere Menschen sind bei einer Hitzewelle besonders gefährdet, weil ihr Körper Wärme schlechter abgeben kann. Die Umverteilung des Bluts vom Bauchraum in die Haut funktioniert im Alter schlechter, und alte Menschen schwitzen später und weniger stark als junge Menschen [1]. Dadurch bleibt mehr Wärme im Körper gefangen, statt über die Haut zu entweichen.
Hinzu kommt häufig eine eingeschränkte Herzleistung. Sie begrenzt die Wärmeabgabe zusätzlich, und ohnehin grenzwertig kompensierte Systeme wie eine kritische Durchblutung der Herzkranzgefäße können unter Hitzebelastung kippen. Die beobachtete Übersterblichkeit der Bevölkerung bei Hitzewellen geht fast ausschließlich auf diese Personengruppe zurück [1].
Wichtige Risikofaktoren sind dabei:
- Mobilitätseinschränkungen
- Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen
- gerontopsychiatrische Erkrankungen
- die Einnahme bestimmter Beruhigungsmittel
Auch Tropennächte während einer Hitzewelle mit Minimaltemperaturen über 20 Grad nehmen zu. Sie nehmen dem Körper die nächtliche Erholungsphase und verstärken die Belastung über mehrere Tage hinweg.
Wie wirkt sich eine Hitzewelle auf das Gehirn und auf neurologische Erkrankungen aus?
Eine Hitzewelle wirkt sich nicht nur auf das Herz-Kreislauf-System aus, sondern beeinflusst auch direkt die Funktion von Nervenzellen, fördert oxidativen Stress und kann die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen [2]. Bei bestehenden neurologischen Erkrankungen kann sich das deutlich bemerkbar machen.
Eine große Studie aus China mit über 130.000 untersuchten Sterbefällen zeigt, dass sowohl heiße Tage als auch heiße Nächte das Sterberisiko bei Demenz erhöhen, wobei die Wirkung heißer Nächte besonders lange anhält [3]. Auch bei anderen neurologischen Erkrankungen zeigen sich klare Muster:
- Schlaganfall: Hohe Temperaturen erhöhen das Risiko, und während Hitzeperioden steigt die Sterblichkeit nach einem Schlaganfall [2].
- Demenz und Parkinson: Es gibt mehr Krankenhausaufenthalte, bei Parkinson zudem eine Verschlechterung motorischer Symptome während Hitzewellen [2].
- Multiple Sklerose: Bei bis zu 80 Prozent der Betroffenen verschlechtern sich Symptome vorübergehend, bekannt als Uthoff-Phänomen [2].
- Epilepsie und Migräne: Hinweise sprechen für eine mögliche Verstärkung von Anfällen und Beschwerden, die Datenlage ist hier aber noch weniger eindeutig.
Besonders gefährlich ist ein Hitzschlag mit Körpertemperaturen über 40 Grad Celsius. Er kann zu Bewusstseinsstörungen, epileptischen Anfällen und bleibenden Schäden führen [2]. Wenn Sie mehr über die Frühwarnzeichen erfahren möchten, sprechen Sie dieses Thema gezielt bei Ihrem nächsten Arztbesuch an.
Welche Rolle spielen Diabetes und die Nieren bei einer Hitzewelle?
Bei Diabetes funktionieren die körpereigenen Anpassungsmechanismen an Hitze nur eingeschränkt, weil sowohl das Schwitzen als auch die Hautdurchblutung gestört sein können [4]. Das erhöht das Risiko für ernste Komplikationen deutlich.
Bei insulinpflichtigem Diabetes wird Insulin durch den gesteigerten Blutfluss schneller aufgenommen, das Risiko für eine Unterzuckerung steigt [4]. Bei unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes kann es umgekehrt zu hohen Blutzuckerwerten und in der Folge zu verstärkter Dehydrierung kommen. Auch die Niere reagiert empfindlich auf Hitze: Pro Grad Temperaturanstieg erhöht sich das Risiko für nierenbezogene Sterblichkeit um etwa drei Prozent [5].
Praktisch bedeutet das:
- Insulin wird ab 30 Grad zerstört und gehört bei Hitze nicht in die pralle Sonne.
- Die richtige Lagerung von Insulin liegt zwischen 2 und 8 Grad Celsius.
- Diuretika, also entwässernde Medikamente, gehören zu den Wirkstoffen mit dem höchsten Risiko für hitzebedingte Krankenhauseinweisungen [5].
Sprechen Sie bei einer Hitzewelle Anpassungen Ihrer Medikamentendosis grundsätzlich vorher mit Ihrer Praxis ab, ändern Sie nichts eigenmächtig.
Wie sollten ältere und vorerkrankte Menschen bei einer Hitzewelle trinken?
Bei einer Hitzewelle sollten Sie regelmäßig in kleinen Mengen trinken, etwa alle 20 bis 30 Minuten rund 200 Milliliter [1]. Größere Trinkmengen auf einmal belasten den Magen-Darm-Trakt unnötig und werden schlechter aufgenommen.
Durst ist dabei kein verlässliches Warnsignal, denn er tritt oft erst auf, wenn die Dehydrierung schon fortgeschritten ist [2]. Bei hohen Temperaturen verliert der Körper selbst in Ruhe pro Stunde etwa 500 bis 700 Milliliter Flüssigkeit über Schweiß [1].
Hilfreiche Anhaltspunkte für die Praxis:
- Optimal sind Getränke mit ein bis zwei Prozent Zuckeranteil, etwa eine dünne Apfelschorle, da sie im Darm schneller aufgenommen werden [2].
- Reines Wasser allein ist nicht immer die beste Wahl, Softdrinks und Alkohol sind ungeeignet. Ein Gewichtsverlust von zwei bis drei Kilogramm an einem heißen Tag spricht für deutlichen Flüssigkeitsmangel [2].
- Dunkler Urin ist ein zuverlässiges Warnzeichen für zu wenig Flüssigkeit.
Vorsicht ist bei sehr großen Trinkmengen geboten: Wer zu viel auf einmal trinkt, kann die Natriumkonzentration im Blut gefährlich absenken, im Extremfall droht ein Hirnödem [1].

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Expertenstimmen zu dem Thema
Prof. Dr. med. Kilian Rapp, Ärztlicher Leiter der Geriatrie am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, erklärt die besondere Hitzegefährdung älterer Menschen mit einer schlechteren Umverteilung des Bluts in die Haut, verzögertem und schwächerem Schwitzen sowie einer reduzierten Herzleistung.
Prof. Dr. med. Hanns-Christian Gunga, Seniorprofessor am Institut für Physiologie der Charité Berlin, forscht zur Anpassung des Körpers an extreme Umweltbedingungen. Da Durst kein verlässliches Frühwarnsignal ist, empfiehlt er feste Trinkintervalle. Bei einer Hitzewelle rät er zusätzlich zu leicht gesalzener Brühe, die die Flüssigkeitsaufnahme unterstützt, ohne den Magen zu belasten.
Dr. Ameli Breuer, Assistenzärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Neurologie der Charité Berlin, weist darauf hin, dass Hitze nicht nur Herz und Kreislauf belastet, sondern auch direkt auf Nervenzellen und die Blut-Hirn-Schranke einwirken kann. Bei neurologischen Vorerkrankungen oder bestimmten Medikamenten könne die Thermoregulation zusätzlich beeinträchtigt sein.
Prof. Erhard Siegel, ehemaliger Ärztlicher Direktor am St. Josefskrankenhaus Heidelberg und Diabetologe, warnt vor der besonderen Gefährdung von Menschen mit Diabetes durch Hitzewellen. Ursache sei eine gestörte Hitzeanpassung durch die eingeschränkte Aktivität regulierender Nervenbahnen. Er appellierte an Ärztinnen und Ärzte, die Risiken mit den Betroffenen zu besprechen und die Medikation rechtzeitig anzupassen.
Medi-Helpster: Ärztliche Einordnung für Sie
Kurz und bündig
Was können Sie konkret tun?
- Tragen Sie leichte, luftige Kleidung und eine Kopfbedeckung, wenn Sie draußen unterwegs sind.
- Verlegen Sie Aktivitäten in die kühleren Morgen- und Abendstunden, ruhen Sie sich in der Mittagshitze aus.
- Lüften Sie nachts, tagsüber halten Sie Fenster und Rollläden geschlossen.
- Kühlen Sie Gesicht, Nacken, Arme und Beine mit feuchten Tüchern.
- Führen Sie ein einfaches Trinkprotokoll, gerade wenn das Durstgefühl nachlässt.
- Lagern Sie Medikamente grundsätzlich nicht über 25 Grad Celsius.
- Wiegen Sie sich an heißen Tagen morgens und abends, um Flüssigkeitsverluste frühzeitig zu erkennen.
Was Sie beim Arztbesuch ansprechen können
- Sollte meine Medikamentendosis an heiße Tage angepasst werden, etwa bei Blutdrucksenkern oder Diuretika?
- Welche meiner Medikamente verändern bei Hitze ihre Wirkung oder müssen besonders gelagert werden?
- Wie erkenne ich bei mir persönlich die ersten Anzeichen einer Überhitzung?
- Welche Symptome bedeuten, dass ich zeitnah oder sofort ärztliche Hilfe brauchen, etwa Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder hohes Fieber?
- Sollten bei meinen Vorerkrankungen Blutwerte oder die Nierenfunktion vor dem Sommer kontrolliert werden?
- Was kann ich tun, wenn sich meine neurologischen Symptome bei Hitze verschlechtern?
- Gibt es für mich besondere Trinkmengen-Empfehlungen, die meine Erkrankung berücksichtigen?
FAQ
Grundsätzlich besteht ein Risiko, die Übersterblichkeit bei Hitzewellen geht aber fast ausschließlich auf ältere Menschen mit Vorerkrankungen zurück [1].
Bereits nach einem einzigen Hitzetag mit über 30 Grad steigen Krankmeldungen messbar an, nach einer Woche Hitze liegt der Anstieg bei über zehn Prozent [1].
Ja, warme Nächte erhöhen das hitzebedingte Sterberisiko nachweislich, bei Demenz hält dieser Effekt länger an als bei Tageshitze [3].
Eine eigenständige Dosisänderung wird nicht empfohlen, Anpassungen gehören in ärztliche Hände, insbesondere bei Diuretika und Insulin [1, 4].
Ja, sehr große Trinkmengen können die Natriumkonzentration im Blut gefährlich absenken, regelmäßige kleine Mengen sind sicherer [1].
Warnzeichen sind unter anderem dunkler Urin, ein auffälliger Gewichtsverlust sowie Verwirrtheit oder Schwindel.
Nein, das Ausmaß variiert je nach Erkrankung, bei Multipler Sklerose berichten bis zu 80 Prozent der Betroffenen über eine Symptomverschlechterung [2].
Was ist …? Begriffe kurz erklärt
Thermoregulation: Die Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur trotz äußerer Hitze oder Kälte konstant zu halten, etwa durch Schwitzen oder veränderte Hautdurchblutung.
Dehydratation: Ein Flüssigkeitsmangel im Körper, der bei Hitze durch verstärktes Schwitzen entstehen kann und Kreislauf sowie Nierenfunktion belastet.
Hitzschlag: Ein lebensbedrohlicher Zustand mit Körpertemperaturen über 40 Grad Celsius, der zu Bewusstseinsstörungen und Organschäden führen kann.
Uthoff-Phänomen: Eine vorübergehende Verschlechterung neurologischer Symptome bei Multipler Sklerose, ausgelöst durch eine leicht erhöhte Körpertemperatur.
Quellen
[1] Ärzte Zeitung. Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten. Veröffentlicht 16.06.2026.
[2] Ärzte Zeitung. Diese Auswirkungen hat Hitze auf Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Veröffentlicht 18.06.2026.
[3] Gao Y, Lin L, Yin P, Kan H, Chen R, Zhou M. Heat Exposure and Dementia-Related Mortality in China. JAMA Netw Open. 2024;7(6):e2419250. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.19250
[4] Ärzte Zeitung. Hitzewellen sind für Diabetiker besonders bedrohlich. Veröffentlicht 01.11.2021.
[5] Nidens N, Huber V, Matthies-Wiesler F, Schneider A. Klimawandel ganz nah: Hitzewellen. Auswirkungen und Vorbeugung. Die Nephrologie. 2023;18:203-212. doi:10.1007/s11560-023-00659-1

